Schleswig-Holstein

Viele Ziele geboten

Die Jugend zieht's ins Ausland

So viel Schleswig-Holstein war noch nie beim Projekt „Jugend im Ausland“. Während die Landeskinder bisher nur vereinzelt Interesse an einem einjährigen internationalen Freiwilligendienst bekundet hatten, kamen am Wochenende zum Auswahlseminar ins Kieler Vinetazentrum von 51 aus ganz Deutschland angereisten Kandidaten gleich 28 aus der Region.

Einer von ihnen ist Julius Frank, 18 Jahre jung und wie die meisten anderen dabei, sein Abitur zu machen. „Auf jeden Fall in die soziale Richtung“ will er danach gehen, aber wohin genau, das muss er erst noch herausfinden. Ein Jahr im Ausland könnte die Entscheidung erleichtern, hofft Julius, der außerdem einfach Lust hat, seinen beschaulichen Heimatort Waabs für eine zeitlang mit der großen weiten Welt zu tauschen.

Dank eines breiten Bündnisses steht ihm die große Welt in der Tat offen. Bei „Jugend im Ausland“ handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Schleswig-Holstein und des Vereins für Kinder-, Jugend- und Soziale Hilfen. Diese beiden Organisationen kooperieren mit dem Bundesfreiwilligendienst „Weltwärts“, hinter dem wiederum die Bundesregierung steht. Auf diese Weise können für den Zeitraum von September 2016 bis August 2017 Plätze in China, Indien, Tansania, Botswana, Südafrika, Ecuador, Peru und in der Ukraine angeboten werden.

Nicht immer passt allerdings das jeweilige Wunschland mit dem Profil des Bewerbers zusammen. Für Botswana zum Beispiel wird jemand benötigt, der handwerklich fit ist und auch mal am Auto schrauben kann. In China dagegen werden die 18- bis 28-jährigen Freiwilligen als Assistenzlehrer eingesetzt und sollten sehr gute Englischkenntnisse samt einer gesunden Portion Selbstbewusstsein mitbringen. Verena Stoffer und Cathrin Hirsch vom Verein „Jugend im Ausland“ kümmern sich darum, dass es letztlich doch passt. Und fast immer ist nach ihrer Erfahrung die Einsicht groß genug, um aus freien Stücken ein Land zu wählen, das sich besser eignet.

Nele Dallmeyer, die in Hamburg Auszubildende in einer Hamburger Werbeagentur ist, gibt sich wie viele andere ohnehin offen. „Das Land ist nicht so wichtig“, meint die 20-jährige, die kommendes Jahr ihre Lehre beenden wird und dann erstmal etwas anderes machen will. Auf den sozialen Bereich ist sie ausgerechnet durch die Arbeit in der Werbezunft gekommen. „Das ist mein Kontrapunkt“, sagt die junge Frau, die sich fürs Weltkinderhilfswerk Unicef und in der Flüchtlingsarbeit engagiert.

Nele Dallmeyer ist in vieler Hinsicht repräsentativ für die Freiwilligendienstler. Sie ist wie ungefähr zwei Drittel der Bewerber weiblich und wie fast alle stark ehrenamtlich engagiert. Was selbstverständlich ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl ist. Wichtig ist nach Angaben der Frauen von „Jugend im Ausland“ außerdem die Motivation und ebenso die persönliche Reife. „Für manche kann es einfach besser sein, noch ein Jahr zu warten“, sagt Verena Stoffer.

Wer sich überhaupt und wofür eignet, wurde am Sonnabend und Sonntag in einem Auswahlseminar mit Unterstützung von zwölf ehemaligen Freiwilligen geprüft. Was schon insofern nötig ist, als gewöhnlich auf jeden Platz zwei Bewerbungen entfallen. Einen zweiten Durchlauf wird es am 23. und 24. Januar 2016 geben, Bewerbungen dafür sind noch möglich.

Bei der „Jugend im Ausland“ werden Flug, Verpflegung und alle weiteren Kosten zu 75 Prozent vom Bundesentwicklungsministerium finanziert. Den Rest, jedoch höchstens 3000 Euro, müssen die Teilnehmer selbst beisteuern. Weitere Informationen unter www.jugend-im-ausland.de

Martin Geist 03-NOV-2015