Schleswig-Holstein

Ordnung in der Hörn

Rettungstaucher im Öko-Einsatz

Das Germaniabecken ist ein wunderbarer Platz für alte Sachen. Schließlich liegen dort Schiffe, die sich wie die der Gaffelketsch „Sampo“ teils schon seit mehr als 100 Jahren das Wasser um die Planken spülen lassen. Etliche Zeitgenossen scheinen das mit dem Platz für alte Sachen aber missverstanden zu haben und nutzen diesen Zipfel der Kieler Hörn als Mülldeponie.

Bildergalerie

Bereit zum Einsatz: Sven Steenbuck, Andreas Würsig und Nadine Holler von der Tauchereinsatzstaffel des ASB.

Jede Menge Abfall fischten jedenfalls am Donnerstagabend die Rettungstaucher vom Kieler Regionalverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) heraus. Mehrere Fahrräder, eine kaum noch überschaubare Zahl von Autoreifen, zwei Stühle, einen Abfalleimer, eine breite Auswahl an Fahrradkörben und sogar eine Tür hievten die acht Taucherinnen und Taucher unter bisweilen erheblichen körperlichen Mühen aus dem Wasser. Säckeweise sammelten sich zudem Flaschen und Dosen jedweder Art am Ufer an.

„Damit war im Großen und Ganzen zu rechnen“, sagt Jörg Blasey, der als Leiter der vor 17 Jahren gegründeten Tauchereinsatzstaffel des ASB schon ganz andere Sachen gesehen hat. Vor Schönberg beispielsweise stießen die Taucher einmal auf eine Urne, die sodann wieder den Angehörigen der verblichenen Person zugestellt wurde.

Harmlos ist der Allerweltsmüll, der nun aus dem Germaniabecken geholt wurde, allerdings nicht. Er schadet dem Wasser und den darin lebenden Tieren und Pflanzen, kann aber auch gefährlich für Menschen werden. Genau aus diesem Grund nahmen sich die Froschmänner und -frauen für ihren routinemäßigen Übungsdonnerstag den Museumshafen vor. Waghalsige Akrobaten vollführen dort bald wieder zur Kieler Woche mit ihren Mountainbikes Kunststücke überm Wasser und sollen sich nicht an scharfkantigem Müll oder kaputten Flaschen verletzten, falls sie mal hineinplumpsen.

Tatkräftig mitgeholfen haben bei der Aktion Leonie Föhring vom Museumshafen-Verein und Hafenmeister Stephan Havemeister. „Wir sind froh, dass wieder einmal Ordnung geschaffen wurde“, betont Leonie Föhring, denn Verletzungsgefahren birgt Müll im Wasser nach ihrer Einschätzung auch für die Eigner der Traditionsschiffe.

Während solche Öko-Aktionen für die ASB-Taucher willkommene Gelegenheit zum Trainieren bieten, laufen die realen Einsätze teilweise erheblich belastender ab. Der tragischste Alarm im bisherigen Jahr trug sich am 25. Mai in Schilksee zu, wo ein 26 Jahre junger ertrunkener Mann aus der Ostsee geborgen werden musste.

Martin Geist 09-JUN-2017