Schleswig-Holstein

FSJ Bilanz

Ein Grundgerüst fürs Leben bekommen

Alles, was mit Schule zu tun hat, kam für Nils Grimm so gar nicht in Frage nach dem Abitur. „Das reichte erstmal“, sagt der junge Mann, der also auch einen Bogen um die Uni machte. Stattdessen entschied er sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Kieler Regionalverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Das, so versichert er, „war das Beste, was ich hätte machen können.“

Nils Grimm schreibt den Einkaufszettel für Heike Schwartinsky. Die 74-Jährige hat Multiple Sklerose und ist froh über die Unterstützung des jungen Mannes vom ASB. Foto: Martin Geist © ASB Arbeiter-Samariter-Bund FSJ Freiwilliges Soziales Jahr Pflege ambulante Pflege Mobiler Sozialer Dienst

Nils Grimm arbeitet für die Mobilen Sozialen Dienste. Was das genau bedeutet, wusste er anfangs selbst nicht, doch er hatte einfach das Gefühl, dass es passt  mit ihm und dem ASB. Angegliedert ist der 19-Jährige dem Pflegedienst, mit Pflege an sich hat sein Job aber nichts zu tun. Vielmehr kümmert er sich um hilfsbedürftige ältere Menschen und macht alles, was eben anfällt. Er begleitet sie auf Spaziergängen oder zum Friseur, saugt auch mal die Wohnung durch, geht einkaufen. „Mit manchen rede ich einfach nur“, erzählt Grimm. Genau das ist vielleicht das Wertvollste, was er tut. Fast immer hat er es mit alten Menschen zu tun, die allein leben und kaum herauskommen aus ihren eigenen vier Wänden. Schaut dann ein- oder zweimal die Woche der freundliche junge Mann vorbei, ist das immer wieder ein Lichtblick für die Senioren.

Was allerdings nur dann funktioniert, wenn ein hohes Maß an Freiheit im Spiel ist. Der FSJ-ler teilt sich in aller Regel seinen Tag selbst ein, wird ausdrücklich ermutigt, genug Zeit zwischen seinen einzelnen Aufgaben zu lassen. „Ganz entspannt“ soll und darf er zu Werke gehen, sagt Pflegedienstleiterin Ilona Bringmann. Alten Menschen Zeit zu schenken und das Gefühl zu haben, dass man sie gar nicht hat, das wäre aus ihrer Sicht genau die falsche Herangehensweise.

Für Nils Grimm wiederum ist diese Eigenständigkeit mit der wichtigste Grund, weshalb er sich so wohl fühlt in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr. Und außerdem, so betont er, ist sein Job äußerst abwechslungsreich. Nicht nur, dass er sich um die älteren Menschen kümmert, er ist darüber hinaus so etwas wie das Mädchen für alles. Mal muss Essen auf Rädern zum ASB-Stützpunkt in Eckernförde gefahren werden, immer wieder fallen Kurierdienste an oder es gilt, Besorgungen zu erledigen. Nils Grimm ist stets zur Stelle – und sitzt oft im Auto. 50 bis 100 Kilometer pro Tag spult er locker ab, überwiegend im Stadtverkehr, der mit seinen vielen Ampeln und Baustellen durchaus robuste Nerven erfordert.

Die hat der Nils Grimm allemal. Auch im Umgang mit den älteren Menschen, die manchmal ein bisschen anstrengend sein können. „Die sind alle super nett“, sagt er. „Man muss einfach immer freundlich bleiben, dann klappt das schon.“

Lernen musste der ASB-Helfer diese Freundlichkeit nicht, denn sie steckt wohl schon in seinen Genen. Ansonsten hat er aber allerhand gelernt in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr. Sich selbst und seinen Tag zu organisieren, das spielte früher kaum eine Rolle für ihn. Jetzt ist das Routine, und etwas über sich selbst überrascht stellt er manchmal fest, dass er inzwischen auch sein Privatleben sehr planmäßig angeht. „Krass gebessert“ hat sich nach seinen Worten auch die Sache mit der Pünktlichkeit. Zuspätkommen, das war in Schülerzeiten ziemlich normal und ist heute die große Ausnahme.

Einen Plan hat Nils Grimm natürlich auch schon für die Zeit nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr. Im August beginnt er eine Ausbildung zum Kfz-Elektroniker. Das ist zwar etwas völlig anderes als die Arbeit für den ASB, genutzt hat die ihm nach seiner Überzeugung trotzdem sehr viel: „Irgendwie hat mir das eine Art Grundgerüst fürs Leben gegeben.“

Ein Freiwilliges Soziales Jahr ...

kann zum Beispiel beim Kieler ASB in den Mobilen Sozialen Diensten, beim Essen auf Rädern, im Rettungsdienst, in einem Kindergarten oder bei der Arbeiter-Samariter-Jugend absolviert werden. Je nach den persönlichen Umständen ist auch eine Mitarbeit über den Bundesfreiwilligendienst möglich. Kontakt zum ASB-Landesverband unter info(at)asb-sh.de oder zum Pflegedienst des Regionalverbands Kiel unter pdl(at)asb-kiel.org

Martin Geist 10-JUN-2016