Schleswig-Holstein

Übung macht den Meister

Notfallsanitäter probten den Ernstfall

Im großen Maßstab und anhand eines Szenarios mit einem Hauch von Terror-Gefahr hat das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) Technik am 31. Mai den Ernstfall geprobt. Bei der Übung waren fast durchweg Kräfte im Einsatz, die noch in der Ausbildung stecken, auch angehende Notfallsanitäter des ASB-Regionalverbands Kiel.

Großübung am RBZ in Kiel. Fotos: Martin Geist

„Natürlich passieren bei so einer Übung auch Fehler“, zeigte Ronald Lachert Verständnis für den einen oder anderen Lapsus seiner Leute. Etwas falsch machen und es dann später, wenn es wirklich drauf ankommt, besser zu machen, ist aus Sicht des Lehr-Rettungsassistenten vom ASB zudem beileibe nicht die schlechteste Form der Ausbildung. Kritik am Ende der Aktion musste also sein, mindestens genauso wichtig war es für Lachert aber, das Gelungene zu loben und den Tadel in aufbauender Weise zu äußern.

So viel zu tadeln gab es dabei gar nicht. Sehr selbstbewusst übernahm Christian Laehn gleich zu Beginn der Übung Verantwortung und machte die Kollegen aus anderen Hilfsorganisationen mit dem Stand der Dinge vertraut. Auch bei seinem Kollegen Pelle Nowak saß so gut wie jeder Handgriff, als er sich im Schulhaus an der Geschwister-Scholl-Straße um die von der Bundeswehr gestellten simulierten Verletzten kümmerte.

Schon seit mehr als zehn Jahren organisiert Polizei-Ausbilder Bernd Klüver gemeinsam mit  Joachim Straßburg von der Johanniter Unfallhilfe solche Übungen, um angehenden Ordnungshütern aus Eutin und Altenholz erste Eindrücke von den Herausforderungen der Praxis zu vermitteln. Und auch, um das Zusammenspiel mit Rettungsdiensten wie dem ASB zu üben. Das arrangierte Geschehen im RBZ Technik hatte es in sich: Unbekannte brachen in den Chemieraum ein, es kam zu einer Verpuffung mit mehreren Verletzten, ein womöglich bewaffneter Tatverdächtiger befand sich noch irgendwo im Schulgebäude.

26 Nachwuchsleute der Polizei, dazu noch ungefähr genauso viele angehende Notfallsanitäter der Johanniter, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des ASB sowie ein kleines Team der Berufsfeuerwehr hatten mit diesem Szenario alle Mühe. Zumal sich im vormittags mit mehr als 2000 Schülern gefüllten RBZ am Nachmittag immer noch an die 800 Menschen befanden, die erst einmal den Gefahrenbereich verlassen mussten.

Die Knackpunkte waren dabei unterschiedlich. Für die Sanitäter-Azubis galt es, trotz des Trubels Ruhe zu bewahren, nach und nach das Ausmaß der jeweiligen Verletzungen einzuschätzen und die notwendigen Schritte einzuleiten. Ein Fehler passierte dabei gleich zu Beginn, als einige Helfer das Schulhaus betraten, ohne sich zuvor mit der Polizei abgestimmt zu haben. Aber auch auf deren Seite hakte es zuweilen. Erkennbar Probleme hatten die Nachwuchsbeamten damit, in dem sehr weitläufigen Schulgebäude die Suche nach dem entwichenen Tatverdächtigen effektiv zu strukturieren. „Das soll und darf passieren“, zeigte Ausbilder Klüver Verständnis. Nach viel Theorie werden die künftigen Polizisten schließlich in diesen Wochen gerade erst so langsam an die Praxis herangeführt.

RBZ-Schulleiter Jürgen Ströh zeigte sich einerseits zufrieden, dass das Schulhaus binnen weniger als zwei Minuten geräumt war, andererseits machte er auch potenzielle Schwachstellen aus. „Wenn wir es wirklich mit einem Angreifer zu tun bekommen sollten, brauchen wir ein Konzept, um zu verhindern, dass der sich unbemerkt unter die anderen Schüler mischt“, nannte Ströh ein Beispiel.

Martin Geist 01-JUN-2018