Schleswig-Holstein

Gelungene Mischung

Glitzer, Lob und ein paar Sorgen beim Herbstempfang

Sanitäter in Glitzeruniformen, viel Lob und Anerkennung, aber auch einige kritische Worte - eine interessante und lebendige Mischung machte den 2. Herbstempfang aus, zu dem der Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) am Donnerstagabend etwa 180 Gäste in der Kieler Kunsthalle begrüßte. Unterschiedliche Positionen wurden zum neuen Rettungsdienstgesetz in Schleswig-Holstein deutlich.

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"Von Herzen gern die Patenschaft übernommen." Ministerpräsident Daniel Günther (li.), Schirmherr des Wünschewagens Schleswig-Holstein, mit dem ASB-Landesvorsitzenden Thomas Elvers.

Dass es dem ASB mit seinen mehr als 89.000 Mitgliedern im Land nicht an grundsätzlicher Anerkennung fehlt, wurde dabei genauso deutlich. Mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) waren gleich zwei ranghohe Vertreter der Landesregierung in die Kunsthalle gekommen, dazu etliche Landtagsabgeordnete und andere Mandatsträger.

„Der ASB ist auf einem ganz hervorragenden Weg“, betonte Landesvorsitzender Thomas Elvers in seiner Begrüßung. Wirklich gravierende Veränderungen im Landesverband gab es nach seinen Worten seit dem ersten Herbstempfang im Jahr 2016 nicht, nur dass „alles noch ein bisschen besser geworden ist“.

Auch Martin Kayenburg, der neue Präsident des Landesverbands, zeigte sich stolz auf die immer noch wachsende Vielfalt der Tätigkeiten. Von Kindertagesstätten über den Schulsanitätsdienst und den klassischen Rettungs- und Sanitätsdienst bis hin zu Wasserrettung und Drohnengruppe  erfülle der ASB eine breite Palette an Aufgaben, die „zum großen Teil von Ehrenamtlichen erfüllt“ würden.

Einige Wünsche an die Politik hatte Martin Kayenburg ebenfalls in seine Rede gepackt. So sprach er sich für neue Akzente in der Ausbildung des Personals in der Altenpflege aus. Das Heil liegt nach seiner Überzeugung nicht allein in der Akademisierung des Berufsbildes, sondern mindestens ebenso in einem Konzept zur Qualifizierung der Hilfskräfte, ohne die heutzutage in der Altenpflege nichts mehr läuft.

Zudem warnte der ASB-Präsident vor einem leichtfertigen Umgang mit dem Ehrenamt. Kayenburg plädierte dafür, die sogenannte Bereichsausnahme anzuwenden, wonach bei der Vergabe des Rettungsdienstes keine Ausschreibung vorgenommen werden muss. Der ehrenamtliche Zivil- und Katastrophenschutz sei in Sachen Ausrüstung und Ausbildung eng an den Rettungsdienst angedockt. Genau deshalb drohten gravierende Folgen, wenn die Städte und Landkreise den Rettungsdienst zunehmend in eigener Regie betreiben, um Klagen von privaten Dienstleistern zu umgehen, warnte der ASB-Präsident. Die im ASB und anderen Hilfsorganisationen tätigen Freiwilligen, die dringend benötigt würden, um die Bevölkerung bei Katastrophen aller Art zu schützen, könnten sich frustriert zurückziehen.

„Wir sind nicht in allen Punkten einer Auffassung“, kommentierte der Ministerpräsident diesen Vorstoß, ohne in eine Diskussion einzusteigen. Wie Gesundheitsminister Garg jedoch bereits am 5. September im Landtag hervorgehoben hatte, sieht die Landesregierung bei diesem Thema gar keine Notwendigkeit für Ausnahmeregelungen. Das Vergaberecht erlaube den Kommunen ohnehin, den Rettungsdienst an Hilfsorganisationen zu vergeben, „die in der Lage sind, mit weiteren, auch ehrenamtlich getragenen Kräften, Großschadensereignisse zu bewältigen“.

Sowohl Garg als auch Günther versicherten dem ASB trotz Differenzen in diesem Punkt ihre Anerkennung für seinen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt im Land. Lob gab es vor allem für den rein ehrenamtlich betriebenen Wünschewagen, der schon etwa 100 Schwerstkranken Freude bereitet hat. "Von Herzen gerrne" habe er die Patenschaft für dieses Projekt übernommen, betonte der Ministerpräsident. Ein Film mit Bildern aus drei Jahren Wünschewagen Schleswig-Holstein führte anschaulich vor Augen, was dieses Projekt für Menschen, denen nicht mehr viel Zeit bleibt, bedeutet.

Das Engagement in diesem Bereich wird zudem verstärkt: In Itzehoe wird in wenigen Tagen mit dem Bau des ersten vom ASB getragenen Hospizes im Land begonnen. Der erste Spatenstich ist für den 26. Oktober vorgesehen, Ende 2019 soll das Projekt abgeschlossen sein. Nach Angaben der stellvertretenden Landesvorsitzenden Marion Gaudlitz werden der Umbau der ehemaligen Kirche St. Klemens und der Erweiterungsbau zusammen mit 4,1 Millionen Euro zu Buche schlagen. Über Fördermittel abgedeckt sind bisher nur knapp eine Million Euro. „Wir brauchen dringend weitere Hilfe“, warb Marion Gaudlitz um weitere öffentliche und private Unterstützung.

Kulturelle Akzente beim Herbstempfang setzte in der Kunsthalle „Piehls Showpalast“ aus Eckernförde mit einem vehement beklatschten Musical-Mix rund ums Thema Helfen.

Text und Fotos: Martin Geist

28-SEP-2018
 

2. Herbstempfang des ASB Schleswig-Holstein

Fotos: Martin Geist