Schleswig-Holstein

SAM.I-Contest 2018

Jungsamariter aus ganz Europa im Wettbewerb

Früh um 8.30 Uhr hallte am vergangenen Samstag ein Knall von der Holmnixe durch die Flensburger Innenstadt. Eine Verpuffung an einem Stromkasten verletzte einen Monteur, ein Passant brach leblos zusammen. Fast zeitgleich stürzte an der Hafenspitze ein Model beim Fotoshooting in die Förde, während oben an der Marientreppe die Kunde von einer Schlägerei die Runde machte. Doch schnell war Hilfe zur Stelle, denn Ursache war nicht etwa das norddeutsche Durchschnittswetter, sondern der internationale Erste-Hilfe-Wettbewerb „Samaritan-International-Contest 2018“, den der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland (ASB) gemeinsam mit den dänischen Partnern der Dansk Folkehjaelp in der grenznahen Fördestadt ausrichtete.

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Die lettischen Ersthelfer ließen sich vom Alkohol nicht täuschen. Ein Schlaganfall gefährdete den kollabierten Mann vor der Phänomenta. Foto: SAMARITAN International/Paul Wardenga

189 Samariter, Gäste und Helfer aus Lettland, Polen, der Slowakei, Rumänien, Serbien, Italien, Österreich und Deutschland waren beteiligt, als am Wochenende 72 junge Menschen in 18 Teams bei einer anspruchsvollen Stadtrallye ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse, Allgemeinwissen, Geschicklichkeit und Teamfähigkeit beweisen mussten. Am Ende verwiesen die 12- bis 15-Jährigen des Weißen Kreuzes aus Südtirol ihre Kameraden aus Deutschland und Österreich auf die Plätze 2 und 3. Auch bei den 16- bis 27-Jährigen gab es kein Vorbeikommen an den Samariter vom Weißen Kreuz. Rumänien und Deutschland folgten ihnen auf das Siegertreppchen.

Die Einzelwertungen entschieden Alexander Gruber (Gruppe A, Weißes Kreuz) und Bogdan Andrei Dumitras (Gruppe B, FSR Rumänien) für sich. Einen erfreulichen Ausgang nahm auch ein Heimspiel: Die Jugendlichen der Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ) aus Elmshorn gewannen im Mai den Bundesjugendwettbewerb der ASJ und qualifizierten sich als deutsche Vertreter für den SAM.I-Contest. Da die fünf Jugendlichen die Erste-Hilfe-Teile des Wettbewerbs am besten bewältigten, verbleibt der Wanderpokal in dieser Sonderwertung zwei Jahre lang in Schleswig-Holstein. Die Letten hatten ihn als beste Retter 2016 mit nach Flensburg gebracht. „Schon den Sieg beim Bundesjugendwettbewerb hatten wir nicht erwartet. Hier zu Hause im europäischen Vergleich dann so gut abzuschneiden, ist ein tolles Gefühl. Wir freuen uns und sind dankbar, dass wir hier so viele tolle Menschen treffen konnten und unser Engagement so gewürdigt wird“, sagte Jil-Lana Zehse von der ASJ Elmshorn am Sonntagabend nach der Siegerehrung.

Ivo Bonamico überreichte als Generalsekretär von Samaritan International (SAM.I), dem Dachverband der europäischen Samariterorganisationen, die Pokale an die Platzierten. Dass die Teams des Weißen Kreuzes aus seiner Heimat am Ende ganz oben standen, freute ihn sehr. Doch sei dies bei weitem nicht alles:

„Dass junge Menschen sich für andere engagieren, sich fortbilden, helfen, wo Hilfe gebraucht wird und hier zusammenkommen und internationale Freundschaften schließen, verdient Anerkennung und meinen tiefen Respekt über jede Punktzahl beim SAM.I-Contest hinaus. Unser Dank gilt den deutschen und dänischen Samariterinnen und Samaritern für die Organisation eines tollen Wochenendes vom alkoholfreien Begrüßungscocktail über den heutigen Ausflug nach Sonderburg bis hin zur Abschlussfeier hier.“

Auch bei den Samaritern gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nun beginnen die neuen Qualifikationsrunden in den Ländern, bevor es 2020 wieder im internationalen Vergleich heißt: Wir helfen hier und jetzt.

Jens Vetter 27-AUG-2018