Schleswig-Holstein

70 Jahre ASB SH

"Damit Schleswig-Holstein an erster Stelle stehe"

Keinesfalls mit Narrenkappen und Pappnasen, sondern in aller Ernsthaftigkeit trafen sich am 11. 11. 1949 in Lübeck ein paar wackere Ehrenamtliche des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Wohl ohne sich dessen im vollen Umfang bewusst gewesen zu sein, bewirkten sie dabei Historisches: Sie hoben den ASB-Landesverband Schleswig-Holstein aus der Taufe. Im Prinzip jedenfalls.

Samariter mit Tradition. Dieses Foto entstand 1913 bei der Gründung der Kieler Kolonne des ASB.

Es waren in vielerlei Hinsicht besondere Zeiten so kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Kaum ein halbes Jahr vor jener November-Sitzung war die Bundesrepublik Deutschland gegründet worden, entsprechend unfertig waren noch die Strukturen des 1933 von den Nazis aufgelösten und sich mühsam wieder berappelnden Samariterwesens. Was heute ein Regionalverband ist, war damals eine Kolonne, untereinander nannte man sich noch Genossin oder Genosse, und von Eckernförde bis Garmisch-Partenkirchen regierten quer durch die Republik die baulichen wie organisatorischen Provisorien.

Der Genosse Carl Görs immerhin schickte sich mit seiner Einladung nach Lübeck an, etwas Festeres zu schaffen. „Mit herzlichen Worten“ begrüßte er laut Protokoll die Vorstandsmitglieder der Kolonnen Neumünster, Bad Schwartau sowie aus Kücknitz und sprach einen Tadel an die Eckernförder Samariter aus, die trotz Zusage durch Abwesenheit glänzten.

Gesprochen wurde sodann über die vielversprechenden Bemühungen um den Aufbau einer Unfallstation in Lübeck, vor allem aber über das Hauptthema, den kurz zuvor in Hannover formierten Bundesvorstand. Einig war sich die norddeutsche Runde in der Einschätzung, dass dieses Gremium „nur als Provisorium anzusehen sei, bis der endgültige Bundesvorstand von einem Bundestag gewählt wurde“. Den gebührenden Nachdruck sollte diese Auffassung durch eine gemeinsame Resolution der Kolonnen in Schleswig-Holstein erhalten. Und genauso kam es: Man stellt nicht nur die gemeinsame Forderung, im Verlauf des Frühjahrs 1950 einen ordentlichen Bundestag einzuberufen, sondern gründete auch eine Landesleitung, die der Stimme Schleswig-Holsteins weithin Gehör verschaffen sollte.

Mit der Bildung einer solchen Landesleitung beauftragt wurde sogleich Karl Schäfer aus Neumünster. Der alterfahrene ehemalige Bezirksvorsitzende in Schleswig-Holstein sagte begeistert zu und versprach nach den Notizen des Protokollanten, „mit noch größerem Interesse zu arbeiten, damit das Land Schleswig-Holstein recht bald an erster Stelle im Bund stehe“.

Ob es denn so gekommen ist, darüber lässt sich gewiss diskutieren. Fest steht aber, dass sich der ASB in Schleswig-Holstein sehr gedeihlich entwickelt hat. Mehr als 90.000 Mitglieder in zehn Regionalverbänden bzw. regionalen Diensten tragen heute den Landesverband mit seinen über 1000 hauptamtlich Beschäftigten. Zu den klassischen Aufgaben wie dem Sanitäts- und Rettungsdienst sind von Kindertagesstätten über Altenpflege bis zur Betreuung Schwerstkranker zahlreiche weitere soziale Dienste hinzugekommen. Ähnlich facettenreich gestaltet sich heute das Ehrenamt. Freiwillige „Sanis“ bei den Holstein-Kiel-Kickern, Vermisstensuche mit Drohnen oder Sozialarbeit mit Besuchshunden, das und manches mehr leisten Frauen und Männer, einfach weil sie Spaß am Helfen haben.

Sein 70-jähriges Bestehen lässt der ASB Schleswig-Holstein unterdessen ohne offizielle Würdigung ins Land ziehen. „Das ist ja kein so ganz offizielles Datum, weil die eigentliche Gründung des Landesverbands im Grunde ein fließender Prozess war“, meint Geschäftsführer Heribert Röhrig. Wenn jedoch der 75. Jahrestag dieses besonderen 11. 11. ansteht, wollen sich die Samariter aus dem Norden etwas Besonders einfallen lassen, stellt Röhrig in Aussicht: „Das wäre dann ja auch ein echtes Jubiläum.“

Martin Geist 11-NOV-2019