Schleswig-Holstein

Freiwillig etwas für andere tun

Dienst mit Herz und Hirn

Ein Freiwilliges Soziales Jahr beim ASB macht Sinn und Spaß. Möglichkeiten, sich einzubringen gibt es genug. Sogar am Ostseestrand.

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Thorben Grell wacht in Stein über die Sicherheit der Badegäste.

Erst das eigene Abi im Visier und danach etwas für andere tun. So läuft es oft, wenn junge Leute sich für einen Freiwilligendienst entscheiden, bevor dann wieder eine berufliche oder anderweitige Ausbildung in den Mittelpunkt rückt. Bei Thorben Grell hängt beides sogar eng miteinander zusammen. 

„Ich wusste noch nicht so richtig, was ich machen sollte.“  Auch das ist kein ungewöhnlicher Satz für einen jungen Mann, der mit gerade mal 17 Jahren sein Abitur bestanden hat und zunächst nach links und rechts schauen will, um sich zu orientieren. In den USA machte Thorben Grell mehrere Monate lang eine Art Au Pair, zurück in der Heimat brachte ihn dann eine Freundin auf die Idee, sich beim Kieler Regionalverband des ASB zu engagieren. 

Also stieg er Ende 2017 ein, qualifizierte sich als Rettungshelfer und leistete ehrenamtlich Sanitätsdienst bei Konzerten, Sportevents und überhaupt überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen. „Ich wollte gern etwas Soziales machen, das mit Medizin zu tun hat“, beschreibt der heute 19-Jährige, weshalb es für ihn genau das Richtige ist, sich auf diesem Gebiet einzusetzen. Insofern war es ziemlich logisch, dass er noch einen drauf setzte und im September 2018 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den ASB-Helfern begann. Immer interessanter wurde dabei für ihn die Wasserrettung. Zusätzlich ließ er sich deshalb zum Rettungsschwimmer ausbilden und entdeckte außerdem zugleich den Reiz der organisatorischen Arbeit abseits des Wassers. 

Insofern ist es zu einem guten Teil auch sein Werk, dass der Strandwachdienst des ASB dieses Jahr wieder in Stein bei Laboe Präsenz zeigen kann. Ungefähr 20 Freiwillige stellen sich seit dem 1. Juli und voraussichtlich noch bis zum 8. September sieben Tage die Woche in den Dienst der Badegäste. Damit des funktioniert, bedurfte es vorab einiger Organisations- und teils dazu noch Überzeugungsarbeit. Und auch im laufenden Betrieb ist bei kurzfristigen Absagen oder irgendwelchen Zwischenfällen immer wieder Flexibilität gefragt.

Genau das gefällt Thorben Grell an seinem Freiwilligen Sozialen Jahr. „Es hat mir sehr viel gebracht“, betont der junge Mann, der nebenbei weiterhin ehrenamtlich Sanitätsdienst macht und unter anderem zuletzt bei der Kieler Woche im Einsatz war. Organisatorische Kompetenz entwickeln und auf der anderen Seite die eigenen Grenzen erkennen, auf diesem Gebiet hat er nach eigener Einschätzung besonders viel gelernt.

Dass die Wirklichkeit nicht unbedingt so ist, wie es sich Außenstehende vorstellen, war derweil eine nicht ganz unerwartete Erfahrung für den Rettungsschwimmer. Baywatch, das ist zumal in diesem Sommer häufig nichts mit Sonne, blauem Himmel und buntem Strandleben, sondern eher grauer Himmel und einsame Spaziergänger. „Da ist viel Abwarten dabei“, erzählt Thorben Grell, der solche Phasen dann immer wieder nutzt, um in der Ostsee zu trainieren.

Genutzt hat der ASB’ler seine FSJ-Zeit auch, um sich Gedanken über seine Zukunft zu machen. Er will eine Ausbildung zum Notfallsanitäter beginnen. 

40 Plätze für FSJ’ler und Bufdis

 

Für einen Freiwilligendienst beim ASB in Schleswig-Holstein entscheiden sich Jahr für Jahr bis zu 40 überwiegend jüngere Menschen. Der Landesverband ist damit in diesem Bereich mit der erfolgreichste in ganz Deutschland. Möglich ist das Mitmachen übers Freiwillige Soziale Jahr oder auch den Bundesfreiwilligendienst. Als übers FSJ angedockter Helfer in der Wasserrettung ist Thorben Grell allerdings eher ein Exot. Eingesetzt werden die Freiwilligen beim ASB überwiegend in Kindertagesstätten, in der Jugendarbeit, in der Erste-Hilfe-Ausbildung, in der Schulbegleitung, oder im ambulanten Pflegedienst. 

Stets wird dabei darauf geachtet, dass die im Durchschnitt 19- bis 21-jährigen Freiwilligen keine regulären Arbeitsplätze ersetzen, betont Magdalena Häußler, die beim Landesverband für dieses Gebiet zuständig ist.

19-JUL-2019