Schleswig-Holstein

Rollende Intensivstation

Neuer ITW hat seinen Betrieb aufgenommen

Eine Intensivstation auf Rädern: Genau darum handelt es sich bei dem Intensivtransportwagen (ITW), den der ASB in Kiel am Sonnabend offiziell in seinen Fuhrpark aufgenommen hat. Das etwa 230.000 Euro teure Fahrzeug ist täglich zwei- bis dreimal im Einsatz und befördert in ganz Schleswig-Holstein schwer erkrankte Menschen von Klinik zu Klinik.

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Regionalverbandsvorsitzender Frank Ziegler, Fahrzeugbeauftragter Dark Schramm, Rettungswachenleiter Ronald Lachert und Steve Petrik, der für die medizinischen Produkte verantwortlich ist (von links), vor dem neuen Intensivtransportwagen des Kieler ASB. Fotos: Martin Geist

Fast genau zehn Jahre, nachdem der ASB den landesweit ersten ITW auf die Straßen geschickt hatte, ist damit die zweite Generation auf Achse. Was Ausrüstung und Innenausstattung betrifft, haben die in dieser Zeit zu Spezialisten gewordenen Helfer vom ASB darauf geachtet, dass bei diesem Modell einige Schwachstellen des Vorläufers beseitigt wurden. Unter anderem ist der Sauerstoff-Vorrat jetzt größer, gelöst wurden aber auch ganz praktische Probleme wie der mangelnde Stauraum für das Gepäck der Patienten.

Schon von der Grundausstattung her verfügt das auf Basis eines Mercedes Sprinter an seinen Zweck angepasste Fahrzeug ebenfalls über einige Neuerungen. Unter anderem ist es jetzt möglich, dass auch sehr schwergewichtige Patienten befördert werden können. Spezielle Ausstattung lässt jetzt außerdem die Aufnahme von Menschen mit schwerstem Lungen- oder Herz-Kreislauf-Versagen zu. Genutzt wird dabei die so genannte ECMO-Technik, mit der auf aufwendigem Weg der Sauerstoff im Blut angereichert wird.

Diese und viele weitere Hightech-Lösungen im Detail erklären den sehr hohen Preis des Fahrzeugs, das nach Angaben des Kieler Regionalverbandsvorsitzenden Frank Ziegler nun das teuerste Auto im gesamten Fuhrpark des ASB ist.  „Ein langer Weg“ war es dabei nach seinen Worten, ehe diese Anschaffung überhaupt realisiert werden konnte. Aufgrund der unklaren Perspektive und der Neuregelung des Rettungsdienstgesetzes mussten die ASB-Verantwortlichen die Anschaffung immer wieder in Frage stellen.

Langfristig ist auch jetzt noch ein Stück weit unklar, wie es weitergeht. Die Kieler Berufsfeuerwehr, die für den Rettungsdienst in der Stadt zuständig ist, wird in einigen Jahren womöglich ebenfalls einen Intensivtransportwagen anschaffen, so dass sich eine neue Lage ergäbe. Rettungsdienst-Abteilungsleiter Dr. Wolfgang Lotz sieht die Sache aber entspannt. In Schleswig-Holstein gibt es nach seiner Analyse immer weniger Kliniken, die sich immer stärker spezialisieren. Damit werde der Bedarf an Intensivtransporten zwangsläufig weiter steigen, schlussfolgert er.

Für ASB-Landesgeschäftsführer Heribert Röhrig ist ein solches Angebot zunächst einmal schlichtweg nötig. Ein Wohlfahrtsverband dürfe genau dann nicht nur ans Geld denken, sondern müsse „auch mal etwas wagen“, betonte er bei der Übergabe des Fahrzeugs. Derweil schätzt Wolfgang Mainz, Geschäftsführer des Regionalverbands Kiel, das Risiko als überschaubar ein. Das Engagement des ASB werde getragen  von „ganz, ganz viel Vertrauen“ zu den Partnern im Kieler Uniklinikum und bei der Stadt Kiel, versicherte er. Auch für den Fall, dass sich in einigen Jahren wieder etwas in der Rettungslandschaft verändern sollte, ist Mainz sicher, dass der ASB nicht im Regen stehen gelassen wird.

Martin Geist 11-FEB-2019