Schleswig-Holstein

Gemeinsamer Fortbildungstag

Freiwillige fühlen der Politik auf den Zahn

Freiwillig für andere da sein. Viele hundert überwiegend jüngere Leute setzen das in Schleswig-Holstein in die Tat um. Die größten Träger der Freiwilligendienste haben sich in einem Landesarbeitskreis zusammengefunden und nun erstmals einen gemeinsamen großen Fortbildungstag organisiert.

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Freiwilligendienstleistende stellten ihre vorbereiteten Fragen...

Etwa 60 Freiwilligendienstleistende der Diakonie, des Deutschen Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bundes, des Kreisjugendrings Stormarn, des Landesjugendwerks der AWO, der Sportjugend und der Ökologischen Freiwilligendienste Koppelsberg fühlten am Donnerstagnachmittag der Politik auf den Zahn.

Zunächst formulierten die Freiwilligen bei einem Worldcafé im Pavillon der Kieler Pauluskirche ihre Anliegen und Fragen, später diskutierten sie diese im Landeshaus mit den Landtagsabgeordneten Lasse Petersdotter (Bündnis 90/Die Grünen), Katja Rathje-Hoffmann (CDU) und Özlem Ünsal (SPD). Dabei zeigte sich, dass Anerkennung – und zwar nicht nur in finanzieller Hinsicht – ein bedeutendes Thema ist. „Wenn ich sage, ich mache ein Freiwilliges soziales Jahr, werde ich schief angeguckt“, beklagte ein Teilnehmer. „Man kennt das FSJ einfach nicht.“ Eine junge Frau formulierte das Problem noch drastischer: „Es sollte anerkannt werden, dass wir das nicht machen, weil uns nichts Besseres eingefallen ist. Für uns ist das ein echtes Anliegen.“

Gewürdigt werden könnte dieses Engagement aus Sicht der Teilnehmenden etwa in Form von Vergünstigungen für kulturelle Veranstaltungen oder Freizeiteinrichtungen. Ein besserer und billigerer öffentlicher Nahverkehr, günstige Unterkünfte für Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder Bundesfreiwilligendienst leisten, wurden ebenfalls als Möglichkeiten genannt.

Etliche Forderungen aus den Reihen der Freiwilligen finden sich nach Angaben von Özlem Ünsal bereits in einem vom SSW unterstützten Antrag der SPD-Landtagsfraktion wieder. CDU, Grüne und FDP lehnen den bereits 2018 eingereichten Antrag zwar nicht rundweg ab, sehen aber Korrekturbedarf im Detail. Zumindest die Polit-Akteure der jetzigen Runde im Landeshaus zeigten sich jedoch optimistisch, dass man sich alsbald auf eine gemeinsame Linie verständigt.

Freiwilligendienste spielen in Schleswig-Holstein in vielen Bereichen eine wichtige Rolle. Ohne sie hätte das auf der Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt basierende Hilfesystem nicht die Qualität, wie sie vorausgesetzt wird. Kitas, Fahr- oder Besuchsdienste, Wasserrettung und Erste-Hilfe-Ausbildung, Umweltprojekte und ebenso Krankenhäuser oder Schulen bieten reichhaltige Betätigungsmöglichkeiten. In Anspruch nehmen diese Möglichkeiten meist jüngere Leute, die nach ihrem Schulabschluss erst einmal Eindrücke von anderen Lebensbereichen gewinnen möchten und dies oft auch mit ihrer eigenen Berufsorientierung verbinden.

Martin Geist 17-JAN-2020