Schleswig-Holstein

Fachkräfteaustausch

Pflege-Expertinnen aus Lettland zu Gast

Über den Tellerrand schauen und voneinander lernen. Das war das Ziel eines viertägigen Fachkräfteaustausches zwischen dem ASB Schleswig-Holstein und seiner lettischen Partnerorganisation, dem Samariterbund „Latvijas Samariešu apvienība“. Vom 9. bis 12. März, also noch kurz bevor wegen des Corona-Virus das öffentliche Leben in Deutschland erlahmte, widmete sich der Austausch den vielerlei Facetten der Pflege.

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Inga Liepa-Meiere, Karina Veca und Sandra Karklina (von links) kehrten mit vielen Eindrücken nach Lettland zurück.

Dass es sprachlich und fachlich klappte mit dieser Begegnung, lag nicht zuletzt an Olga Gebel, die den Pflegedienst des ASB in Neumünster leitet und zusätzlich ihre Kompetenz als Deutsch-Russisch-Übersetzerin  einbrachte. Kundig bis ins Detail begleitete außerdem die ASB-Fachreferentin für Pflege, Kathleen Krüger, das Treffen, dem bereits im Jahr 2017 der Besuch einer kleinen Delegation aus Schleswig-Holstein in Lettland vorausgegangen war.

Schnell wurde beim Wiedersehen deutlich, dass sich die beiden Länder an der Ostsee einige Probleme durchaus teilen. Am meisten Kummer bereitet hier wie dort der Fachkräftemangel, wobei die Samariter in Lettland obendrein mit dem deutlich geringeren Gehaltsniveau im Vergleich zum westlichen Ausland zu kämpfen haben. Viele qualifizierte Pflegekräfte wandern dorthin ab, wo es mehr zu verdienen gibt, gutes Personal fürs eigene Land ist teils nur mit Hilfe von Headhuntern zu bekommen.

Besonderheiten in Sachen Pflege gibt es unterdessen in verschiedenen Bereichen. So sind die lettischen Samariter bei der Digitalisierung sehr fortschrittlich unterwegs und beeindrucken unter anderem mit einem innovativen Pflegemobil für ältere Menschen im ländlichen Raum. Das Thema wird dabei äußerst umfassend interpretiert, sodass in dem Fahrzeug sogar geduscht werden kann, falls in den eigenen vier Wänden die Infrastruktur dafür fehlt.

Auf der anderen Seite zeigten sich die drei Besucherinnen aus Lettland sehr beeindruckt über die Palliativpflege, die der Regionalverband Pinneberg-Steinburg auf Basis großer Erfahrung leistet. Vor allem das Konzept der Spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV), bei dem es darum geht, zugeschnitten auf die ganz individuellen Nöte und Bedürfnisse, schwerstkranken Menschen bis zum letzten Atemzug den Verbleib zuhause zu ermöglichen, überzeugte die Gäste in seiner inhaltlichen und auch menschlichen Dimension.

Ebenfalls großes Interesse rief der Regionalverband Plön mit seinen Angeboten zur stationären Pflege und Tagespflege in Schönberg hervor, denn auch solche Häuser sollen in Lettland vermehrt errichtet werden.

„Es hat sich für beide Seiten gelohnt“, zieht Kathleen Krüger ein Fazit dieser Begegnung, die auch dem ASB-Landesverband Schleswig-Holstein und seinen Regionalverbänden zahlreiche Denkanstöße gegeben hat.

Text und Bilder: Martin Geist 16-MÄR-2020