Schleswig-Holstein

Projekt "BOP"

Willkommener Zuwachs für den Rettungsdienst

Rettungsdienste, Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten haben ein gemeinsames Problem: Personalmangel. Junge Leute hingegen hadern zuweilen damit, nicht genau zu wissen, wohin sie sich beruflich bewegen sollen. BOP (Berufliche Orientierung in Pflege, Kindergarten oder Rettungsdienst) heißt ein vom Kieler Arbeiter-Samariter-Bund betriebenes Projekt, das beiden Seiten helfen soll. Und es tatsächlich immer wieder auch tut.

Bildergalerie

Denise Heuer (links) und Kasia Janczak steigen als Rettungssanitäterinnen beim Kieler ASB ein.

Das vom Kieler Jobcenter und dem Amt für Soziale Dienste der Landeshauptstadt Kiel finanzierte Projekt vermittelt 14 jungen Erwachsenen erste Erfahrungen als Sanitäts- oder Pflegehelfer, als Rettungssanitäter, Rettungsschwimmer oder als Erste-Hilfe-Ausbilder. Je nach Tätigkeitsgebiet ist damit ein bis zu 160 Stunden umfassender fachpraktischer Unterricht verbunden. Und am Ende gibt es bei erfolgreicher Teilnahme ein offizielles Qualifizierungszertifikat.

Dabei bleibt es allerdings meistens nicht. Zu 60 bis 70 Prozent machen die jungen Frauen und Männer nach Angaben von Koordinatorin Kornelia Kieschnick anschließend weiter, absolvieren entweder eine Ausbildung oder steigen direkt in den Beruf ein. Auffallend findet im aktuellen Durchgang der seit dem Jahr 2002 angebotenen Berufsorientierung dieser Einstieg im Rettungsdienst statt. Mit Denise Heuer (25 Jahre) und Kasia Janczak (26) sind in diesen Tagen gleich zwei Teilnehmerinnen dabei, fest in der Rettungswache des Kieler ASB tätig zu werden.

Die Wege dorthin sind unterschiedlich. „Bei mir hat es etwas länger gedauert“, erzählt Kasia Janczak, in Polen geboren und erst seit ungefähr drei Jahren in Deutschland. Ein halbes Jahr lang machte sie ein Praktikum in der Rettungswache, nahm an den Wochenenden an theoretischen Lehrgängen teil und eignete sich die nicht ganz unkomplizierte Fachsprache an. Bald darauf bestand sie die Prüfung zur Rettungssanitäterin und auch gleich den Führerschein Klasse C, den ihr das Kieler Jobcenter finanzierte. Angesichts dieses Pensums grinst Svenja Moschner, die im BOP-Projekt als Sozialpädagogin unterstützend zur Stelle ist: „Das hat nicht länger gedauert, Kasia war richtig schnell.“

Noch etwas schneller ging es bei Denise Heuer, die ihren Theorie-Lehrgang in Vollzeit absolvieren konnte und die Prüfung nach einem Praktikum in der Notaufnahme des Kieler Uniklinikums bestand. Ihren ebenfalls vom Jobcenter bezahlten Führerschein hat auch sie fast schon in der Tasche, nicht anders als Kasia Janczak brennt die junge Frau nun darauf, endlich richtig loslegen zu dürfen. Neben dem Führerschein gibt es dazu noch eine weitere Hürde. Die frisch geprüften Rettungssanitäterinnen müssen 100 Notfalleinsätze als dritte Kraft absolviert haben, ehe sie Teil einer regulären Zweier-Besetzung werden können.

Länger als drei Monate dauert das in einer großen Stadt wie Kiel allerdings kaum, weiß Ronald Lachert, Leiter der Wache am ASB-Sitz an der Hamburger Chaussee. Über die Verstärkung durch die beiden Neuen freut sich Lachert sehr, denn Personal ist in diesem Metier knapp. Während es dabei allerdings immer ein Stück weit Zufall ist, wie viele Teilnehmende am Ende in welchem Beruf landen, ist der Trend zu mehr Frauen durchaus stabil. Saßen früher praktisch nur Männer in den Autos, so befinden sich unter Lacherts etwa 30 Kräften jetzt bereits etwa 25 Prozent Frauen. „Die Frauen haben oft auch bessere Prüfungsergebnisse und sind fast immer sehr motiviert“, beschreibt er die fachlichen Vorzüge dieses Trends.

So ganz zufällig ist es indes zumindest für Denise Heuer (25 Jahre) und Kasia Janczak nicht, dass sie sich für dieses Berufsfeld entschieden haben. „Kein Tag ist wie der andere“, beschreibt Denise Heuer den Reiz des professionellen Rettens. „Es ist nie langweilig“, meint auch Kasia Janczak, die ebenso wie ihre Kollegin vom Betriebsklima in der Rettungswache schwärmt. Nettere Kollegen als die in der Rettungswache des ASB kann man sich nach ihrer Überzeugung kaum vorstellen.

Durchaus häufig gewinnen nach Erfahrung von Kornelia Kieschnick auch Kitas zusätzliches Personal durch das Projekt zur Berufsorientierung. Die Pflege hinkt zu ihrem Bedauern allerdings etwas hinterher. Dass die Arbeit mit Blaulicht spektakulärer wirkt, kann sie dabei zwar nachvollziehen, doch gibt sie zu bedenken: „Gerade die Pflegekräfte sind ganz bestimmt genauso Heldinnen des Alltags.“

Der aktuelle BOP-Kurs des ASB zur Berufsorientierung läuft noch bis 31. Mai dieses Jahres. Eine Fortführung mit erneut 14 Teilnehmenden ist beantragt, aber noch nicht bewilligt. Angesichts der sehr guten Erfolge des Projekts sind die Verantwortlichen des ASB aber zuversichtlich, dass es weitergehen könnte.

Martin Geist 24-FEB-2020