Schleswig-Holstein

Interreg-Projekt SAVING LIFE

Deutsche und dänische Retter gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod

Deutsche und dänische Retter sagen dem plötzlichen Herztod den Kampf an: Heute Nachmittag fiel der Startschuss für ein einzigartiges Projekt. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Schleswig-Holstein und seine dänische Partnerorganisation Dansk Folkehjaelp (DKFH) stellten in Kiel „Saving Life“ vor. Mit der Aktion sollen möglichst viele Menschen aktive freiwillige Ersthelfer werden. Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung über einen Zeitraum von drei Jahren mit 1,5 Millionen Euro gefördert.

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Freuen sich über den Projektstart von SAVING LIFE: (v.li.) Dr. Christian Elsner (UKSH Lübeck), Klaus Nørlem (DKFH), Heribert Röhrig (ASB) und Dr. Jan-Thorsten Gräsner (Institut für Rettungs- und Notfallmedizin). Fotos: ASB / Annette Peters

Der plötzliche Herzstillstand zählt nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. Allein in Deutschland fallen ihm Jahr für Jahr 100.000 Menschen zum Opfer. Viele hätten gerettet werden können – wenn ihnen rechtzeitig von anwesenden Personen qualifizierte Erste Hilfe geleistet worden wäre. Denn gerade in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten dauert es dort, wo es auf Sekunden ankommt, häufig zu lange, bis Rettungsdienst und Notarzt vor Ort sind.

In einer großangelegten, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wollen nun der Arbeiter-Samariter-Bund Schleswig-Holstein (ASB) und seine dänische Partner-Organisation Dansk Folkehjaelp (DKFH) die Zahl der Menschen, die einen Herzstillstand in den deutsch-dänischen Grenzgebieten überleben, deutlich erhöhen. Im Rahmen des Interreg-Projektes SAVING LIFE  wird sowohl eine Offensive in Erste-Hilfe-Ausbildung gestartet als auch eine neue App zur Ersthelfer-Alarmierung genutzt, die in die Rettungskette eingebunden wird. Zudem werden in Fortsetzung des bewährten Projektes „Schleswig-Holstein schockt“ weitere Defibrillatoren-Standorte erfasst und in die App übertragen.

Heute wurde SAVING LIFE in den Räumlichkeiten des ASB-Regionalverbandes Kiel vorgestellt. ASB-Landesgeschäftsführer Heribert Röhrig und DKFH-Generalsekretär Klaus Nørlem gingen auf die Hintergründe des Projektes ein, und Hanjo Merkle, zuständiger Fachreferent beim ASB, stellte die drei Projektbausteine vor.

Kostenlose Erste-Hilfe-Kurse

In Deutschland und in Dänemark werden jeweils 190 Erste-Hilfe-Kurse angeboten. Die Kurse umfassen neun Unterrichtseinheiten à 45 min. Die Hoffnung ist, dass sich möglichst alle Teilnehmer der Erste-Hilfe-Kurse als freiwillige Ersthelfer für SAVING LIFE registrieren, um Schleswig-Holstein und Dänemark sicherer zu machen.

Smartphone-App

Der ASB ist Projektpartner von "Meine Stadt rettet". Diese App wird unter Einbeziehung der Leitstellen in die Rettungskette eingebunden und durch gezielte Weiterentwicklung an die Erfordernisse des länderübergreifenden Projektes SAVING LIFE angepasst.

Geht in der Rettungsleitstelle ein Notruf aufgrund eines Herzstillstandes ein, findet diese über die Smartphone-App und GPS-Ortung diejenigen Ersthelfer, die dem Einsatzort am nächsten sind. Die drei Ersthelfer, die zuerst den Einsatz annehmen, erhalten die Adresse des Notfallortes sowie eine Wegbeschreibung und bekommen folgende Rollen zugeteilt:

  • ein Ersthelfer wird zum Notfallort geschickt, um Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen
  • ein Ersthelfer wird zum nächstgelegenen zugänglichen Defibrillator geschickt
  • ein Ersthelfer wird zum Notfallort geschickt, um Angehörigen zu assistieren, den Weg zu weisen und/oder bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu helfen

Längerfristig sollen die Ersthelfer durch entsprechende Schnittstellen an die Applikationen in beiden Ländern angeschlossen werden können.

Defibrillatoren

Das Projekt fordert dazu auf, Defibrillatoren online zu registrieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so dass die Rettungsleitstellen die Ersthelfer auch an diesen Defibrillator verweisen können. Die Registrierung erfolgt in Deutschland unter www.sh-schockt.de und in Dänemark unter www.hjertestarter.dk. Für Schleswig-Holstein sind bereits 750 verifizierte Standorte von Defibrillatoren in der App zu finden. Diese Zahl soll in Fortsetzung des bewährten Projektes "Schleswig-Holstein SCHOCKT" weiter gesteigert werden.

„Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist großartig“, freute sich Dr. Jan-Thorsten Gräsner vom Kieler Institut für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH, der auch auf die Laienreanimation als wichtiges Glied der Rettungskette einging. "Eine glückliche Fügung" nannte Dr. Christian Elsner (UKSH Lübeck), auf dessen Initiative die App "Meine Stadt rettet" zurück geht, das neue Interreg-Projekt.

Mehr Informationen auf der Internetseite www.savinglife.eu.

Annette Peters 07-NOV-2017